wilson clash - was sagen die entwickler

Als wir bei Tennis-Point gehört haben, dass Wilson mit einem ganz neuen eigenständigen Schläger-Modell auf den Markt kommt, das nicht Teil der bestehenden Modelreihen sein wird, sind wir sehr neugierig geworden. Was war die Idee dahinter, diesmal einen komplett neuen Schläger von Grund auf zu entwickeln und nicht einem der erfolgreichen Modelle einen Nachfolger zu spendieren?
Michael Schaeffer: Die Idee hinter der Entwicklung dieses Rackets war es, technologisch weiter zu gehen als bei einer reinen Weiterentwicklung eines bereits etablierten Schlägermodells. Wir wollten ein revolutionäres Produkt entwickeln, dass die guten Eigenschaften vieler unterschiedlicher Schläger auf dem Markt auf sich vereint und damit einige andere Modelle geradezu überflüssig macht.
Ein ganz neues Modell als Ziel hat den Entwicklern also auch mehr Freiheit gegeben?
Michael Schaeffer: Ja, genau. Wir mussten z.B. keine Rücksicht darauf nehmen, dass sich der neue Schläger ungefähr so spielt wie irgendein Vorgänger-Modell. Das gab Bill - der bei uns für die Entwicklung neuer Technologien zuständig ist - die Möglichkeit, sehr viele seiner innovative Ideen und Ansätze in dieses Projekt einzubringen.

Bill Severa: Ich verbringe schon mein gesamtes Berufsleben bei Wilson und habe in dieser Zeit sicherlich tausende von Prototypen entwickelt, hergestellt und getestet, um bestimmte Eigenschaften eines Schlägers zu verstärken die sich positiv auf die Spieleigenschaften auswirken. Dabei habe ich sehr viel gelernt, sogar aus Misserfolgen. Und viele Ideen in meinem Hinterkopf gespeichert. Zusätzlich haben wir aber auch sehr viel Kundenfeedback von unseren Marketing- und Social-Media-Teams bekommen. Ein Hauptpunkt dabei war, dass jeder Hersteller eine perfekte Mischung aus Power und Kontrolle verspricht, so etwas aber eigentlich nie erreicht wurde. Im Vorfeld des Clash-Projektes bin ich auf die Idee gekommen, drei meiner Lösungsansätze in Bezug darauf zu kombinieren. Herausgekommen ist dabei jetzt als Endprodukt der Clash, ein Schläger dessen Rahmen sehr weich ist, der aber trotzdem eine enorme Stabilität hat. Das gab es vorher so nicht.
Was uns auch interessiert: Wie wird man eigentlich Schläger-Entwickler? Wie viele Leute sind bei Wilson Teil eines Entwicklungsteams und spielen die eigentlich auch selber Tennis?
Bill Severa: Die meisten Mitglieder meines Teams haben wie auch ich ein Ingenieur-Studium, es gibt aber zum Beispiel auch einen Produkt-Designer, der für uns arbeitet. Die allermeisten spielen auch selbst Tennis und manche davon richtig gut. Eine der Ingenieurinnen aus dem Clash-Team hat früher Turniere auf WTA-Ebene gespielt. Für die Entwicklung des Clashs haben wir ein Team aus neun Leuten geformt. Da waren nicht nur Techniker dabei, sondern auch Mitarbeiter aus dem Marketingbereich, die uns viel Input was Kundenwünsche angeht gegeben haben.
Und wie lange dauert so eine Entwicklung von der ersten Idee bis zum fertigen Schläger?
Bill Severa: Das hat ungefähr 3 ½ Jahre gedauert. Das schwierigste Element daran ist die Feinarbeit. Wir hatten recht schnell Prototypen, die ungefähr 80% der Eigenschaften hatten, die wir anpeilten. Die restlichen 20% möglichst vollständig auszuschöpfen hat sicherlich zwei Jahre gedauert. Viel Zeit ist aber auch zum testen des Schlägers auf dem Platz verwendet worden. Tatsächlich gab es tausende Spieltests mit ganz vielen unterschiedlichen Spielern über den gesamten Entwicklungsprozess hinweg.
Also sind  Spieltests mit „echten Tennisspielern“ ein wichtiger Bestandteil?
Bill Severa: Richtig: Ich kann „im Labor“ den der Datenerfassung nach tollsten Schläger der Welt entwickeln, aber wenn die Spieler ihn nicht mögen, bin ich aufgeschmissen – er wird sich nicht verkaufen. Datenanalyse ist sehr wichtig und wir haben da die besten Möglichkeiten. Computermodelle und Laborteste, mit denen wir Rahmen und Rahmen-Geometrien sehr detailliert austesten können. Gerade beim Clash wollten wir diesmal aber die ehrliche Meinung der Leute hören und haben Spielerinnen und Spieler auch immer wieder ausdrücklich gefragt, was ihnen am jeweiligen Prototyp nicht gefällt. Es wurden hunderte unterschiedliche Schläger hergestellt und 49 verschiedene Prototypen ausführlich getestet. Wir haben uns über viel positives Feedback gefreut, wollten aber immer auch wissen, was es noch zu verbessern gilt.

Michael Schaeffer: Wir wollten einen Schläger kreieren, der die Probleme löst, die die Leute auf dem Platz haben. Was wir da immer wieder gehört haben war der Wunsch, mit einem Racket zu spielen, das das Selbstvertrauen vermittelt auch unter Druck und in engen Spielsituationen voll durchzuschwingen. Das Power hat, aber vor allen Dingen auch sehr viel Kontrolle, die Vertrauen in den Schläger und die eigenen Schläge gibt.
Und welche neuen Technologien tragen dazu bei?
Bill Severa: Viel dieses Gefühls, den Ball kontrolliert und mit viel Selbstbewusstsein spielen zu können, hängt mit dem zusammen, was im Englischen „Dwell Time“ genannt wird, also der Verweildauer des Balles beim Schlag im Saitenbett. Wir haben nach einem unkonventionellen Weg gesucht, diese Zeit zu verlängern. Normalerweise erreicht man das über eine niedrige Besaitungshärte oder größere Abstände zwischen den einzelnen Saiten, was aber beides mit Nachteilen verbunden ist. Die Kombination der drei technischen Konzepte von denen ich schon gesprochen habe, erreicht diesen Effekt nun auch. Und erfüllt damit genau den Wunsch vieler Spielerinnen und Spieler.

Michael Schaeffer: Zwei Dinge stechen heraus und machen diesen Schläger einzigartig. Erstens ist es tatsächlich der mit Abstand flexibelste Rahmen auf dem Markt. Der weicheste Rahmen, den wir je gemessen haben. Und das inklusive Holzschläger! Wilson hat die Flexibilität immer auf der S.I. Skala angegeben, früher waren diese Zahlen auch teilweise Bestandteil der Modellbezeichnung, wie zum Beispiel beim Wilson Six.One. Je höher diese Zahl war, desto flexibler war der Schläger. Und der Six.One war schon ein sehr weicher Rahmen. Dass der Clash auf dieser Skala jetzt bei 11.2 liegt illustriert, wie weit wir mit diesem Konzept gegangen sind. Wir nennen das „Free Flex-Technology“ und sie erhöht die „Dwell Time“, von der Bill gerade erzählt hat. Zweitens haben wir aber einen Weg gefunden, über die Rahmengeometrie und die spezielle Anordnung der Karbon-Schichten (Carbon Mapping) die Nachteile eines solchen extrem weichen Schlägers auszuschalten. Normalerweise hat so ein Schläger nicht viel Power und wird extrem instabil, wenn ein Ball nicht im Sweetspot getroffen wird. Der Clash dagegen ist trotz seiner geringen Steifigkeit auch bei nicht sauber getroffenen Schlägen stabiler als die meisten Schläger auf dem Markt.
Das ist also ein ganz neuer Ansatz?
Michael Schaeffer: Exakt. Die Schläger sind über die Jahre eigentlich tendenziell immer härter und steifer geworden. Deswegen sehen wir den Clash als eine Revolution, als einen Wendepunkt. Wir sind diesmal einen komplett anderen Weg gegangen als unsere Mitbewerber. Und liefern aufgrund unserer Entwicklungen einen Schläger, der Power, Stabilität und Kontrolle vereint.

Bill Severa: Indem wir die Verweildauer des Balles im Saitenbett über neue Technologien erhöht haben, konnten wir auch beim Besaitungsmuster ohne Negativ-Effekte einen anderen Ansatz wählen und es im Sweetspot etwas dichter anlegen um dadurch unter anderem die Haltbarkeit der Saiten zu erhöhen. Wir reden hier über wenige Millimeter mehr oder weniger, die einen Effekt haben. Ein viel drastischerer Schritt war es aber natürlich, einen komplett neuen komplett neuen Schläger mit einer eigenen Rahmengeometrie zu entwickeln, der nicht auf einem der anderen Wilson-Modelle aufbaut.
Im Deutschen gibt es den umgangssprachlichen Begriff der „eierlegenden Wollmilchsau“, die alle Vorteile diverser Tierarten auf sich vereint und alle Bedürfnisse befriedigt. Das, was ihr über den Clash erzählt, hört sich fast so an…
Bill Severa: Ja, tatsächlich. Genau so sehe ich das auch. Der Schläger vereint in einem Maß Power und Kontrolle, nach dem ich im Prinzip mein ganzes Leben als Racket-Entwickler gesucht habe. Und deswegen bezeichnen wir  den Clash eben auch als eine „Revolution“. Ein Schläger der dich besser macht, weil er das Selbstvertrauen in deine Schläge erhöht. Ein Racket, das das Beste aus zwei Welten vereint.
Und deswegen heißt es „Clash“?
Michael Schaeffer: Ja. Natürlich haben wir uns um den Namen viele Gedanken gemacht und es gab diverse Vorschläge. „Clash“ soll symbolisieren, dass wir zwei verschiedene Konzepte zum ersten Mal erfolgreich in einem Schläger vereinen, dass es einen „Clash“ zwischen Fexibilität und Stabilität und zwischen Power und Kontrolle gibt. Und dass das Produkt daraus dieser Rahmen ist.
Welcher Spielertyp mit welcher Spielstärke wird denn besonders vom Clash profitieren?
Michael Schaeffer: Was das Besondere bei diesem Racket war: Wir haben positives Feedback von praktisch allen Spielstärken bekommen, von Beginnern bis hin zu Milos (Raonic), der damit noch ein wenig härter aufschlagen konnte als mit seinem normalen Schläger und auch sonst sehr angetan war. Ich würde eine Empfehlung im Gegensatz zu anderen Modellen also nicht unbedingt so sehr an der Spielstärke festmachen, sondern eher an der Art und Weise des Schwungs: Vor allen Dingen Spieler mit einer modernen, Topspin-basierten Technik und Spielweise werden vom Clash profitieren.

Bill Severa: Der Schläger ist eine der, wenn nicht DIE interessanteste Neuentwicklung auf dem Markt der letzten Jahrzehnte. Wir haben so viele positive Rückmeldungen bekommen, dass ich sage: Jeder sollte den Schläger wenigstens einmal ausgiebig testen um sich selbst ein Urteil zu bilden.
Und mit welchem Saiten-Setup sollte man diesen Test dann angehen?
Michael Schaeffer: Der Schläger benötigt keine hohen Besaitungshärten, zwischen 21 und 25 Kilogramm reichen vollkommen aus. Er spielt sich glänzend mit allen modernen Polyestersaiten und ist dabei durch seine Flexibilität so armfreundlich, dass ihn selbst Spieler die sonst Probleme bekommen mit einer solchen Saite spielen können.
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