Interview mit Jason Collins
Global Product Director Racket Sports bei Wilson

Author: Christian Schwell 
Wie kam man bei Wilson auf die Idee eine  neue Art des Tennisballs zu entwickeln?
Unser Ziel und unsere Idee war es, eine neue Art von Tennisball zu entwickeln, die die guten Spieleigenschaften der schon auf dem Markt existierenden Druckbälle beibehält, aber gleichzeitig neue Maßstäbe an Langlebigkeit aber auch an Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit gerade in Bezug auf seine Verpackung besitzt. Anders als z.B. bei der Entwicklung eines neuen Schlägers-Modells lag die Herausforderung also  nicht darin, etwas zu erfinden, das sich ganz neu und anders anfühlt. Im Gegenteil: Die Bälle sollten sich so verhalten, wie der Tennisspieler es gewohnt ist, aber eben mit mehr Haltbarkeit und Schonung der Umwelt glänzen.
Und wie lange hat die Entwicklung von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt dann gedauert?
Insgesamt hat sich das von der ersten Idee, die ich schon im Jahr 2012 hatte, bis zum fertigen Produkt über mehrere Jahre und diverse Stufen hinweg gezogen. Ab 2016 haben wir uns dann als Entwicklungsteam ganz intensiv um das Projekt gekümmert und seit Ende 2018 war ich als Verantwortlicher dann so von unserem Produkt überzeugt, dass wir begonnen haben, es auf höchster Ebene von unter anderem von unseren männlichen und weiblichen Tour-Playern aber auch im College-Bereich testen zu lassen. Als klar wurde, dass der Ball den Anforderungen in diesen höchst anspruchsvollen Bereichen gerecht wird, haben wir dann auch begonnen, Spieltests im Amateurbereich durchzuführen und die Meinungen „normaler“ Tennisspieler einzuholen.
Und neben diesen guten Spieleigenschaften spielt auch Nachhaltigkeit für Wilson eine große Rolle?
Ja, Nachhaltigkeit ist für Wilson ein wichtiger Wert, den wir in diesem Fall besonders in Bezug auf die Verpackung umsetzen konnten. Zusätzlich gehen 5% des Profits, den wir mit den Triniti Bällen machen, an verschiedene Organisationen, die sich weltweit für Nachhaltigkeit einsetzen. In diesem Jahr unterstützen wir „Recycle Balls“, die aus dem Gummimaterial gesammelter alter Tennisbälle Tennisplatzoberflächen und andere Produkte herstellen. Allein in den USA landen jedes Jahr 125 Millionen gebrauchte Bälle im Müll und dann auf Müllhalden, wenn sie nicht recycelt werden.
Und was sind nun die Hauptunterschiede zwischen dem neuen Triniti Ball und konventionellen Druckbällen?
Jeder Tennisball besteht einerseits aus dem Kern und andererseits aus der Filzoberfläche. Wir sind in Bezug auf beide Komponenten neue und innovative Wege gegangen. Der Kern des Wilson Triniti besteht aus einem neuartigen Kunststoff. Wir nennen das Material „ENGAGE“ und es leichter als die herkömmlichen Gummimischungen. Das hat es uns erlaubt, die Wände dieses Kerns etwas dicker zu machen, was einige Vorteile mit sich bringt. Vor allen Dingen hält der Ball seine charakteristischen gleichbleibenden Spiel- und Absprung-Eigenschaften dadurch länger, konkret bis zu vier Mal länger als andere Bälle auf dem Markt, auch als unsere eigenen bisherigen Spitzenprodukte.

Auch die andere Komponente, den Filz, haben wir angepasst und verbessert. Wir verwenden einen sogenannten STR-Filz, der 50% flexibler ist als der, der ansonsten bei Tennisbällen verwendet wird. Auch das verbessert die Spieleigenschaften und die Kontrolle für den Spieler und trägt zur Langlebigkeit des Produktes bei.

Zusätzlich führt das Zusammenspiel der Innovationen in diesen beiden Bereichen dazu,  dass der Ball nicht in einer PET-Druckverpackung ausgeliefert werden muss, um seine Eigenschaften nicht vorzeitig zu verlieren. Stattdessen können wir für die Verpackung recycelte Materialien verwenden, die dann auch wieder erneut zu 100% recycelbar sind.
Sie spielen sich aber trotzdem wie konventionelle Druckbälle?
Ja, da war der Anspruch und den konnten wir erfüllen. Die große Mehrzahl aller Spieler wird keinen Unterschied zum „normalen Ball“ in der umweltschädlichen Druckverpackung bemerken.
Sieht Wilson den Triniti denn trotzdem eher alsTrainingsball?
Nein,wir möchten gerne, dass der Triniti auch als Wettkampfball eingesetzt wird und werden versuchen, ihn nach und nach in verschieden Ligen weltweit und auch im Turniertennis bis hin zur höchsten Ebene zu etablieren. Der Ball soll sich und seine tollen Eigenschaften dort beweisen und ist über den Aspekt der Nachhaltigkeit auch für Turnierveranstalter sehr interessant.
Zu guter Letzt: „Triniti“ – was hat es eigentlich mitdiesem Name auf sich?
Der spielt auf die Zahl drei und damit auf die drei Bereiche an, die wir verbessert haben: Die Nachhaltigkeit der Verpackung. Die Performance, also die Spieleigenschaften des Balles. Und eben auch die Haltbarkeit, also die Zeit, in der der Ball seine Spieleigenschaften behält.
Fragen der Instagram Community:
Warum werden nicht alle Tennisbälle wie der Triniti in Kartonverpackungen statt Plastik ausgeliefert?
Weil die normalen Druckbälle nur in einer Druckverpackung langfristig ihre Sprungeigenschaften behalten. Sobald die Dose geöffnet wird, verlieren auch die Bälle kontinuierlich Druck. Durch die Innovationen beim Triniti, speziell durch das neuartige Material des Kerns, wird das verhindert und er kann in einer umweltfreundlichen Verpackung ausgeliefert werden.
Ist der Triniti für das Spiel auf Sandplätzen geeignet?
Wir haben nicht nur auf Hartplätzen sondern auch auf Sand getestet und gute Rückmeldungen erhalten. Der Ball hat die Filzeigenschaften, die Sandplatzspieler mögen.
Wo werden die Triniti Bälle genau produziert?
Die Bälle werden in Thailand hergestellt.
Wie spielen sich die Bälle im Vergleich zum Dunlop Tournament?
Grob gesagt würde ich sagen, dass Dunlops Bälle im Vergleich verschiedener Marken eher hart sind, Wilson in der Mitte liegt und Head-Bälle eher im weicheren Bereich zu verorten sind. Der Triniti macht da keine Ausnahme.
Ist der Ball selbst aus recycelten Materialien und kann er nach Gebrauch wieder recycelt werden?
Ein Anteil des Gummis des Kerns besteht berits aus recycelten Material - unser Anspruchist es, Wege zu finden diesen Anteil weiter zu erhöhen, ohne dass die Haltbarkeit leidet. Wie schon gesagt arbeiten wir bereits in den USA mit einer Organisation zusammen, die alte Bällerecycelt. Das möchten wir nach und nach auch auf Europa und den Rest der Weltausweiten.
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